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Blog / Die Gothic-Szene
Montag, 11 Februar 2008 um 03:39
Für die jenigen von Euch,die keine "Goths" sind, aber sich für das Thema interessieren und Infos benötigen
Gothic (Kultur)
Die Gothic-Kultur ist eine vielseitige Subkultur, die ab Anfang der 1980er Jahre stufenweise aus dem Punk- und New-Wave-Umfeld hervorging und sich aus mehreren Splitterkulturen zusammensetzt. Sie existierte in den 1980er und 1990er Jahren im Rahmen der Dark-Wave-Bewegung und bildete bis zur Jahrtausendwende den Knotenpunkt der so genannten Schwarzen Szene.
Das Basiselement, das die Entwicklung der Gothic-Bewegung ermöglichte, war das Zusammenwirken von Musik (Gothic Rock), Faszination an abseitigen Themen wie Tod und Vergänglichkeit (hier raus erklärt sich das Interesse an den Gothic Novels und an der Schwarzen Romantik), die im Zuge der Neuen Deutschen Todeskunst ihren Höhepunkt fand, sowie einer daraus resultierenden Selbstinszenierung.
Die Anhänger der Gothic-Kultur werden länderübergreifend als Goths bezeichnet, obgleich diese Bezeichnung innerhalb der Szene eher selten Anwendung findet bzw. bei vielen Szene-Anhängern gar auf Ablehnung stößt und häufig hinterfragt wird. Gründe hierfür finden sich insbesondere im Versuch der Wahrung der eigenen Individualität.
Hin und wieder wird die Bezeichnung Gothic auf szenefremde Musikkulturen, wie Metal, Mittelalterrock, Dark Rock, Elektro, Industrial, Neofolk, J-Rock oder Neue Deutsche Härte, ausgeweitet. Diese Ausweitung ist aufgrund der musik- und kulturhistorischen Gegebenheiten bezüglich der Gothic-Szene und ihrer Entwicklung jedoch falsch.
Namensherkunft
Goth(ic) (eigtl. „gotisch“, hier im Sinne von „düster, schaurig“) fand Ende der 1970er für einen Stil der Rockmusik aus dem Post-Punk-Umfeld Verwendung und wurde ab 1982/1983 auf die Anhänger der dazu entstehenden Jugendkultur übertragen. Die Bezeichnung ist dabei nicht – wie so oft vermutet – an das Volk der Goten, an das Zeitalter der Gotik oder an die Gothic Novels angelehnt, sondern geht grundsätzlich auf einen in England entstandenen Musikstil zurück, der aufgrund seines dunklen und dumpfen Klanges und seiner verwendeten Themen als „schaurig“ empfunden wurde. Demgemäß existierte zwischen der Gothic-Szene und der Gotik- bzw. Neogotik-Epoche kein direkter Bezug, wie er in den nachfolgenden Jahrzehnten hauptsächlich von Außenstehenden fehlinterpretiert wurde.
So titulierte 1982 unter anderem Ian Astbury, Sänger der Band The Southern Death Cult, die Fans der Gruppe Sex Gang Children als „Goths“. Nur kurze Zeit später formierte Ian Astbury aus The Southern Death Cult die Band Death Cult und absolvierte 1983 einen Auftritt in Berlin. Der Musikjournalist Tom Vague, der diesem Konzert beiwohnte, äußerte in einem Bericht in der Oktober-Ausgabe des Musikmagazins ZigZag von 1983 über das Berliner Publikum „Hordes of Goths. It could be London...“ (dt. „Horden von Goths. Es könnte London sein...“) und versuchte damit, die Ähnlichkeiten zwischen dem Publikum beider Städte zu verdeutlichen. Zwischen 1983 und 1984 etablierte sich die Bezeichnung für eine neue Jugendkultur allmählich und fand in der Zeitschrift The Face in einem Special über den Londoner Batcave-Club erneut Erwähnung.
Innerhalb des deutschen Sprachraums nutzte man gleichzeitig Bezeichnungen wie „Gruftis“ oder szene-übergreifend „Schwarze“ oder „Waver“, da sich Gothic in den 1980er Jahren weder als Genrebegriff noch als Bezeichnung für eine Subkultur über britische Grenzen hinaus weitläufig durchsetzen konnte. In Kanada und den USA geschah dies erst um etwa 1988, im mitteleuropäischen Raum zu Beginn der 1990er, obgleich Gothic als Selbstbezeichnung schon seit 1988 in Ost-Berlin belegt ist.
Grufti, angelehnt an das Wort für „Grabgewölbe“, galt in Teilen Deutschlands lange Zeit als negativ besetzte Bezeichnung, die später von den Szeneangehörigen jedoch zunehmend als saloppe Selbstbezeichnung verwendet wurde. Gegenwärtig wird die Bezeichnung Grufti für die Gothic-Generationen der 1980er und frühen 1990er Jahre genutzt, die – bezüglich der Musik, des Outfits und des Stylings – noch stark in der Post-Punk- und New-Wave-Bewegung verhaftet waren. Außenstehende verwenden die Bezeichnung noch heute für die gesamte Gothic-Kultur, inzwischen jedoch weitgehend ohne negative Konnotationen.
Ferner waren in der DDR und Teilen Berlins Bezeichnungen wie Ghouls, Outs oder Darks gebräuchlich, letztere Bezeichnung findet sich auch in Ländern wie Italien oder Mexiko wieder. In einigen Gebieten Deutschlands, wie Nordrhein-Westfalen, war zudem die Selbsttitulierung Krähen geläufig, was annähernd der Bezeichnung les corbeaux („die Raben“) entspricht, die französische Gothic- und Wave-Anhänger in den 1980ern für sich nutzten und die sich auf deren Erscheinungsbild bezog.
Goth, in seiner Mehrzahl Goths genannt, hat sich bis heute in vielen Teilen der Welt etabliert. In Deutschland ist daneben die entsprechende Übersetzung Goten sowie die grammatikalisch inkorrekte Bezeichnung Gothics verbreitet.
Splitterkulturen
Aufgrund der Größe der Szene sowie persönlicher Vorlieben hinsichtlich Musik, Kunst und Kleidung, die oftmals als Ausdrucksmittel dienen, entwickelten sich im Laufe der Zeit einige erkennbare Splitterkulturen („Interessengemeinschaften“), die seit etlichen Jahren koexistieren. Insbesondere die Hardliner der jeweiligen Splitterkulturen können sich dabei durchaus ablehnend gegenüberstehen. So kann ein Angehöriger der Batcave-Szene eine völlig andere Geisteshaltung vertreten als beispielsweise ein Endzeitromantiker. Zwei Charakteristika, die jedoch alle Splitterkulturen miteinander vereinen, sind die Verwurzelung in der Post-Punk- und Wave-Bewegung und der Bezug zu den Gothic Novels bzw. zur Schwarzen Romantik.
Batcaver auch Gothpunk genannt, bezeichnet die Angehörigen der frühen Gothic-Szene, wie sie hauptsächlich in England vorzufinden war. Sie waren die ersten, die etwa 1983 als Goths bezeichnet wurden. Der Name „Batcaver“, der auf einen frühen Szene-Club in London zurückgeht, kam erst in späterer Zeit auf und dient vor allem der Abgrenzung gegenüber nachkommenden Splitterkulturen innerhalb der Gothic-Szene. In Bezug auf Outfit, Frisur und Ideologie noch stark vom Punk geprägt, erlebten die Batcaver mit der Jahrtausendwende ein Revival mit aktiver Vernetzung zur amerikanischen Death-Rock-Szene. Der Batcave-Kultur haftet weniger die Affinität zum Weltschmerz und zur Besinnlichkeit an als vielmehr der Spaß am Schaurigen/Morbiden.
Bevorzugte Musik: Bauhaus, Siouxsie & The Banshees, The Damned, Specimen, Virgin Prunes, UK Decay
Grufti auch Gruftie genannt, bezeichnete die Angehörigen einer Jugendkultur in Mitteleuropa, die als Parallelbewegung zur Batcave-Kultur in England entstanden ist und bezüglich ihrer morbiden Eigenheiten in den 1980er und frühen 1990er Jahren für Schlagzeilen sorgte. Konträr zur Batcave-Szene waren Gruftis, sowohl musikbezogen als auch outfitmäßig, deutlich stärker im Wave-Umfeld verwurzelt und ließen einen ausgeprägten Hang zum Weltschmerz und zur Realitätsflucht erkennen. Inzwischen gilt die Grufti-Bewegung, deren Anhänger sich primär innerhalb des adoleszenten Stadiums bewegten, als erloschen.
Bevorzugte Musik: The Cure, Joy Division, Bauhaus, Christian Death, Anne Clark, frühe The Sisters of Mercy
Endzeitromantiker Die Endzeitromantiker bilden eine Splitterkultur, die erstmals zu Beginn der 1990er Jahre Erwähnung findet. Sie entwickelte sich stufenweise aus der Grufti-Bewegung, von der ein Teil des Erscheinungsbildes, wie ausrasierte und toupierte Haare, Silberschmuck usw., zwar beibehalten wurde – im Vergleich zu dem Outfit der Gruftis sind Kleidung und Schminkstil jedoch sorgfältig, deutlich aufwändiger und mit Liebe zum Detail gewählt. Sie sind der Spiegel einer apokalyptischen, todeskonzentrierten Weltsicht. Markante Merkmale sind weiß geschminkte, oftmals mit filigran ausgearbeiteten Ornamenten versehene Gesichtspartien, Kleidungsstücke aus Samt, Brokat, Spitze, Chiffon und Seide sowie Accessoires wie Rosenkränze, Kruzifixe, Broschen, Diademe, Samthalsbänder, reich verzierte Faltfächer und Spitzenhandschuhe. Den Endzeitromantikern ist eine Vorliebe für Philosophie, Literatur (besonders Poesie), Malerei, Friedhöfe und alte, verfallene Bauten wesentlich stärker zu eigen, als es in Teilen der Grufti-Szene der 1980er der Fall war.
Bevorzugte Musik: Goethes Erben, Sopor Aeternus, Lacrimosa, Relatives Menschsein, frühe Sanguis et Cinis
Schwarzromantiker auch Dark Romantic oder Romantic Goth genannt, bezeichnet den Anhänger einer Splitterkultur, die sich etwa parallel bzw. unmittelbar nach den Endzeitromantikern etablierte und sich im Laufe der letzten Jahre zu einer der vorherrschenden Splitterkulturen innerhalb der Gothic-Kultur entwickelte. Konträr zu den Endzeitromantikern sind punk- und wave-typische Merkmale, wie ausrasierte, toupierte Haare, Piercings oder toten-ähnlich geschminkte Gesichtspartien, kaum bis gar nicht vorhanden. Die Grenzen zwischen beiden Splitterkulturen sind – hinsichtlich der Interessen und der Kleidung – jedoch fließend. Schwarzromantiker sind ein länderübergreifendes Phänomen und – mit unterschiedlichen Titulierungen wie Romantic Goth – auch in Großbritannien, Frankreich, Italien oder Spanien zu finden.
Bevorzugte Musik: Dead Can Dance, Ataraxia, Dargaard, Faith & The Muse, Love Is Colder Than Death, Qntal
Sonstige In der zweiten Hälfte der 1980er entstand mit der wachsenden Popularität von Bands wie The Sisters of Mercy, The Mission oder Fields of the Nephilim eine Fangemeinschaft, die sich von den äußeren Merkmalen aller zuvor genannten Splitterkulturen stark unterscheidet: Statt seitlich ausrasierter, toupierter Haare und einem typischen Schmink- und Kleidungsstil im Punk- und Wave-Look dominieren hier lange Haare und Kleidungsselemente der Hard-Rock-Szene. Dieses Outfit gipfelt bei einigen Fans in einer kompletten Übernahme des Kleidungsstils der Fields of the Nephilim, die aufgrund ihres Westernlooks auch scherzhaft als „The Bonanzas“ betitelt wurden.
Bevorzugte Musik: Fields of the Nephilim, The Mission, The Sisters of Mercy, New Model Army
Nicht alle Goths gehören einer Splitterkultur an. So gibt es auch zahlreiche Mischformen, die sich vor allem im Erscheinungsbild widerspiegeln.
Erscheinungsbilder
Ein zentrales Merkmal der Gothic-Kultur ist das Styling, das von vielen Anhängern als Ausdrucks- und Abgrenzungsform eingesetzt wird. Goths, die ihre Lebenseinstellung durch ihr Erscheinungsbild auszudrücken versuchen, bevorzugen allgemein die „Farbe“ Schwarz. Sie wird jedoch auch als einfaches, modisches Element verwendet. Aber auch Blau, Violet, Weiß oder Bordeaux-Rot sind vorzufindende Haar- bzw. Kleiderfarben. In Anlehnung an die Wurzeln im Punk werden Strumpfhosen oder Netzhemden absichtlich mit Rissen oder Löchern versehen. Ebenso erinnern etliche Frisuren an die Punk- und Wave-Kultur der 1980er Jahre.
Die Bekleidungsstrategie der frühen Gothic-Szene zeigte sich jedoch nicht wie bei den Punks als Ästhetisierung des Hässlichen oder bei den New Romantics als Revival des Glamourösen vergangener Zeiten, sondern als Inszenierung des Horrors. Insbesondere bei den Gruftis galt es lange Zeit als modisch, die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins gezielt durch ein totenähnliches Auftreten zu versinnbildlichen. Der glamouröse Aspekt, wie ihn die heutige Gothic-Generation kennt, spielte dabei zunächst nur eine nebensächliche Rolle.
Viele Goths grenzen sich allerdings auch bewusst vom Erscheinungsbild der Punk-Kultur ab. Elemente aus Kleidungsstilen der Renaissance sind ebenso präsent wie ein an das Viktorianische Zeitalter oder an den Jugendstil angelehntes Outfit. Dabei sind die jeweiligen Kleidungsstile jedoch nur selten in reiner Form anzutreffen. In der Regel handelt es sich um einzelne Kleidungskomponenten unterschiedlicher Epochen, die eklektisch miteinander kombiniert werden. Gelegentlich werden neben dem damit verbundenen Kleideraufwand auch hohe Kosten in Kauf genommen, um sich beispielsweise ein stilechtes Rokoko-Kostüm schneidern zu lassen. Einige dieser Kleidungsformen werden als Relikt der New-Romantic-Szene angesehen, andererseits gelten die Darsteller romantischer Vampirfilme als modische Vorbilder.
Markante Merkmale können sein
Blasse, meist geschminkte Gesichtsfarbe (Leichenblässe oder Viktorianische Ästhetik), häufig hervorgehoben durch dunkle Schminke an Augen und Mund Bemalungen (Akzentuierung der Wangenknochen und insbesondere Ornamente um Augen und Mund), Piercings sowie Tätowierungen Ungewöhnliche Frisuren wie „Tellerminen“ (kreisförmig ausrasierte Haare, meist in Form von „Krähennestern“ oder „Turmfrisuren“ gestylt), „Trauerweidenfrisuren“ (lange, auftoupierte Haare), Irokesenschnitt (ausrasierter Streifen vom vorderen Haaransatz bis in den Nacken), Undercut (zusätzlich Hinterkopf), teilweise sehr hoch toupiert, meist schwarz, seltener blau, rot und violet gefärbt oder blondiert. Seit den 1990er Jahren sind bei Frauen vermehrt Frisuren vergangener Epochen anzutreffen, vereinzelt auch berschulterlange Haare bei Männern. Religiöse, okkulte oder esoterische Symbole als Schmuck (bspw. Rosenkränze, Ankh- und Petruskreuze), fast ausschließlich aus Silber Armreifen en masse (Element der Wave-Mode), Nieten, Sicherheitsnadeln, Schnallen und Glöckchen Androgyn gekleidete Männer (und aufgrund der Verwurzelung im Wave auch androgyn gekleidete Frauen) Netzhemden, Netzstrumpfhosen, zerrissene Shirts, Vestons und Buttons (urtypischer Batcave- bzw. Death-Rock-Look) Kragenhemden (Plain), Aladinhosen („Sarouel“), Lederjacken, Lodenmäntel, Dr. Martens, Pikes oder Creepers (Grufti-Look) Rüschenhemden, Talare, Dolmane (Husarenjacke), Gehröcke und Uniformjacken des 18. und 19. Jahrhunderts, Kleider aus Samt, Spitze und Chiffon (Schwarzromantik- bzw. Endzeitromantik-Stil) Fracks und schwarze Zylinder („Chapeau Claque“), oftmals mit dunkler Sonnenbrille als Accessoire (angelehnt an Bram Stoker’s Dracula) Kragenhemden, Lederjacken, Lederhosen, Biker-Boots (späterer Gothic-Rock-Stil, inspiriert durch Bands wie Fields of the Nephilim) Hennins und Hexenhüte (vor allem in den frühen 1990ern populär) Korsetts und Corsagen bei Frauen (seit den 1990ern), häufig in Kombination mit weiten Reifröcken.
Diese Liste bietet nur eine grobe Übersicht über die Vielfalt der Stile, die in der Gothic-Szene verbreitet sind. Für eine genaue Stilbeschreibung gibt es zu viele Kleidungskombinationen, die auch das Sampling von Kleidungselementen szene-fremder Subkulturen, wie der Rivethead-Kultur oder der BDSM-Szene, mit einschließen. Zudem kann ein Goth auch infolge beruflicher Zwänge optisch nicht auf Anhieb der Gothic-Bewegung zugeordnet werden.
Gelegentlich kommt es aufgrund der Kleidung zu Verwechslungen zwischen Goths und Angehörigen der Metal- oder der Mittelalter-Bewegung. Insbesondere weiblichen Metal-Fans dienten Metal-Ikonen wie Liv Kristine (Leaves’ Eyes, früher Theatre of Tragedy), Tarja Turunen (Nightwish), Amy Lee (Evanescence) oder Sharon den Adel (Within Temptation) als modische Vorbilder, die sich auf Konzerten und Promotion-Fotos oft in Corsagen, Pannesamt- und Spitzenkleidern präsentieren.
Bevorzugte Musikformen
Impulsgeber für die Entstehung zahlreicher Jugendsubkulturen ist die Musik. Sie wird emotional erlebt und dient dabei als Ventil für angestaute Emotionen wie Wut, Trübsinn oder Angst, als Fluchtmöglichkeit aus dem grauen Alltag und zugleich als Ausdrucksform jugendlichen Protests, der meist optisch durch ein entsprechendes Erscheinungsbild unterstrichen wird.
Die Gothic-Kultur entstand auf der Grundlage des sogenannten Gothic Punk, einer frühen Form des Gothic Rock, umgangssprachlich auch als „Batcave“ bezeichnet. Daneben wurde eine Vielzahl weiterer Spielarten favorisiert, die sich – abgesehen von Stilen wie Death Rock – primär im Dark-Wave-Umfeld entwickelten. Zwischen Ende der 1980er und Mitte der 1990er Jahre starb ein Teil dieser Genres aus und wurde stufenweise durch szene-fremde Musikstile abgelöst, sodass die Gothic-Bewegung in den nachfolgenden Jahren − und bis auf wenige Nischenbands – über keine eigenständige Musikszene verfügte. Erst die zunehmende Verbreitung des Internets ermöglichte im neuen Jahrtausend die Herausbildung einer Untergrundszene, die über Plattformen wie MySpace kommuniziert. Daneben gibt es zahlreiche retrospektiv ausgerichtete Goths, die sich auf das musikalische Output der 1980er und 1990er Jahre beschränken und von außen initiierten Trends eher kritisch gegenüberstehen.
Häufig präferierte Musikformen waren/sind:
Dark Wave (einschließlich Spielarten wie Gothic Rock, Cold Wave, Ethereal, Neoklassik sowie die Neue Deutsche Todeskunst)
Death Rock, Depro-Punk, Horrorpunk
New Wave (insbesondere Electro Wave, Synthie Pop und Minimal Electro)
Sonstige:
Post-Industrial (unter anderem Stilformen wie Dark Ambient, Doom Industrial oder Ritual)
Mittelalterlich inspirierte Musik, teils auf historisch informierter Aufführungspraxis beruhend (bspw. Dead Can Dance, Estampie, Qntal)
Tanzstile
In der Gothic-Szene sind unterschiedliche Tanzformen präsent, die grundsätzlich solistisch ausgeführt werden. Paar- oder Gruppentänze sind dieser Kultur fremd.
Noch in der Entwicklungsphase der frühen Gothic-Szene war der Pogo als Tanzstil weit verbreitet. Dieser wurde direkt aus dem Punk-Umfeld übernommen und konnte mit dem Batcave-Revival nach der Jahrtausendwende erneut Bedeutung erlangen. Daneben war in den 1980ern bei den Gruftis der sogenannte „Totengräber“ prävalent, spöttisch auch als „Nord-Süd-Kurs“ oder „Staubsaugertanz“ bezeichnet. Hierbei bewegt sich der Tänzer drei Schritte vor, beugt seinen Oberkörper – nach links oder rechts geneigt – nach unten und bewegt sich mit ebenso vielen Schritten zurück zum Ausgangspunkt. Mit der Umsetzung des Tanzes entsteht häufig der Eindruck, der Tänzer würde auf der Tanzfläche ein Grab schaufeln. Beide Tanzformen, der Pogo wie auch der „Totengräbertanz“, werden ohne Rücksicht auf den Takt der Musik ausgeführt. Mitunter wurde bei besonders schwermütiger Musik eine Form von „Anti-Tanz“ dargeboten, die sich durch ein regungsloses Herumstehen auf der Tanzfläche, meist mit verschlossenen Augen, äußerte:
„Man tanzt halt nicht, sondern steht auf dieser Tanzfläche und lässt die Musik so richtig schön in sich hineinkriechen.“
In den 1990er Jahren kamen vermehrt rhythmusorientierte Tanzformen hinzu, deren theatralisch betonte Gesten teilweise an die indischer oder orientalischer Tempeltänzerinnen erinnern.
Wohnraumgestaltung
Da der Wohnraum allgemein auch als Wohlfühl- und Rückzugsort genutzt wird, spielt bei vielen Goths insbesondere die Wohnraumgestaltung eine wesentliche Rolle. In den 1980er Jahren war es üblich, die Wände und Zimmerdecken mit zumeist schwarz gefärbten Stoffen und Tüchern auszuschmücken und mit Accessoires wie Rosenkränze, Kreuze, Plastikrosen oder Grabscherpen zu dekorieren. Auch die Zimmereinrichtung bestand häufig aus schwarzen Möbeln und Gegenständen wie Kerzenleuchtern, Grableuchten oder Totenschädeln, wodurch der Wohnraum oft eine friedhofsnahe Atmosphäre vermittelte.
Nachdem sich die Gothic-Szene im Verlauf der 1990er Jahre aus dem Status als Jugendkultur herauslöste, verschwanden diese – heute als klischeehaft geltenden – Formen der Wohnraumgestaltung allmählich und wurden durch weniger makabere Gestaltungsformen abgelöst, die beispielsweise dem Barock- oder dem Romantik-Stil nachempfunden wurden.
Szenemedien
Zeitschriften für die Gothic-Szene erschienen Anfang bis Mitte der 1990er Jahre nur in geringer Auflage. Neben Fanzines wie The Torturer, das beiläufig auch Kassetten-Compilations mit Newcomern aus dem Gothic-Rock- und Dark-Wave-Umfeld veröffentlichte, etablierten sich vor allem Magazine wie The Gothic Grimoire oder das Gothic-Magazin. Letzteres ist aufgrund seiner Schwerpunktverlagerung bis heute aktiv. Es widmet sich inzwischen dem Spektrum der gesamten Schwarzen Szene und weit darüber hinaus, sodass es bereits Ende der 1990er Jahre den Status als Gothic-Magazin verloren hatte.
Im Vergleich zur Metal-Bewegung wurde der Gothic-Kultur im Fernsehen nie ein Platz für gothic-spezifische Musiksendungen eingeräumt. Auch Rundfunksendungen, die sich exklusiv mit dem musikalischen Output aus dem Gothic-Umfeld beschäftigten, wurden bis heute nicht realisiert.
Verhältnis zu anderen Subkulturen
Ein freundschaftliches Verhältnis verbindet Teile der Gothic-Szene mit der Punk- und Psychobilly-Kultur. Ein Grund hierfür findet sich vor allem in den musikalischen Vorlieben, die sich diese Subkulturen teilen (The Cramps, Alien Sex Fiend, Fliehende Stürme). Seit Mitte der 1980er gibt es zudem Beziehungen zur Industrial- und Rivethead-Kultur. Demgegenüber kam es häufiger zu Konflikten mit Anhängern der EBM-Szene, die sich abseits der Schwarzen Szene entwickelte und sich mit der weltschmerz-behafteten Mentalität und dem androgynen Erscheinungsbild, das in Teilen der Gothic-Kultur vorherrscht, nicht anfreunden konnte. Für sie stand martialisches Auftreten und körperbetonte Härte als Zeichen von Männlichkeit im Vordergrund.
Als eines der größten Feindbilder der Gothic-Kultur galt lange Zeit die Metal-Szene. Dieser Feindseligkeit, die von beiden Subkulturen ausging, wirkten in den 1990er Jahren hauptsächlich Künstler aus dem musikalischen Umfeld, wie Secret Discovery, Paradise Lost, Dreadful Shadows oder − ganz gezielt – Das Ich in Zusammenarbeit mit der Metal-Formation Atrocity, entgegen. Die damit einsetzende Öffnung und zunehmende Verschmelzung beider Subkulturen wird jedoch nicht einheitlich befürwortet und stößt bei einigen Splitterkulturen und traditionell ausgerichteten Vertretern der Gothic-Kultur auf Ablehnung.
Events
Ein „Event“ ist die in der Schwarzen Szene verbreitete Bezeichnung für eine Diskothekenveranstaltung. Reine Gothic-Events gab es bis in die späten 1990er Jahre hinein kaum. Diese wurden zumeist in Form von „Independent-Feten“ veranstaltet, das Publikum setzte sich zunächst aus Anhängern unterschiedlicher Subkulturen wie Punks, Wavern, EBM- und Elektro-Fans, seltener aus Anhängern der Post-Industrial-Kultur oder der Crossover-Szene, zusammen. Diese vielseitigen Independent-Veranstaltungen waren notwendig, da sich ein Event für nur eine Musik- und Szene-Richtung aufgrund der anfallenden Kosten nicht verwirklichen ließ. Anfang bis Mitte der 1990er verschwand ein Teil des Publikums aus den Diskotheken, vor allem Punks, Waver und Anhänger der EBM- und Crossover-Szene. Zu dieser Zeit teilten sich Goths mit anderen Subkulturen, wie der Elektro-Szene, die Tanzfläche.
Ab den späten 1990er Jahren wandelte sich das Publikum drastisch. Dies äußerte sich besonders durch den enormen Zulauf von Anhängern der Metal-Szene, vor allem aber der Techno-Kultur, deren Mitglieder nach dem Abebben der Techno-Welle vermehrt in die Schwarze Szene abwanderten. Ein Grund hierfür ist die Präsenz technoid geformter (u. a. Future Pop) oder metallastiger (u. a. Dark Metal) Klänge, die immer mehr das Veranstaltungsprogramm der Schwarzen Szene prägen. Dieser Umstand förderte die Herausbildung der szenefremden Cyberkultur, die in mehreren Gebieten Europas (beispielsweise im Ruhrgebiet) gegenwärtig das Hauptpublikum in den Diskotheken bildet, und führte dazu, dass sich zahlreiche Goths von den herkömmlichen Events abwandten und gothic- und death-rock-spezifische Veranstaltungen organisierten, die sich nun – begünstigt durch das Batcave-Revival – aufgrund der Größe des Publikums rentierten. In einigen Großstadtregionen werden in sogenannten „Großraumdiskotheken“ mittlerweile auch getrennte Floors angeboten, die auf die Wünsche des Publikums zugeschnitten sind.
Friedhöfe
Stadtgottesacker in Halle an der Saale
Ein weiterer bedeutsamer – wenn auch umstrittener – Treffpunkt und Aufenthaltsort für Goths ist der Friedhof. In den 1980er Jahren wurde der Friedhof hauptsächlich aufgrund jugendlicher Abenteuerlust aufgesucht. Zu Beginn der 1990er wich der Nervenkitzel an den nächtlichen Besuchen einer Faszination an der Ästhetik alter Gräber. So avancierte der Friedhof zu einem beliebten Besuchsziel mit ruhiger, romantischer und mystischer Ausstrahlung. Damit knüpfen viele Goths – oftmals auch unbewusst – an die Gepflogenheiten zur Zeit der Romantik an. Im 19. Jahrhundert waren Friedhöfe nicht nur Begräbnisstätten und Sammelstellen für Leichname, sondern öffentlich und gern besuchte Plätze, die von ihren Besuchern als Orte der Meditation und mentalen Sammlung aufgesucht wurden.
Festivals
Bekannte Anlaufpunkte für die Gothic-Kultur bild(et)en das:
Bizarre-Festival in Berlin
Castle Party in Bolków
Dark Wave Meeting in Strasbourg
Diabolus Cantus Festival in Karlsruhe-Durlach
Gothic & Wave Festival in Bratislava
Herbstnächte in Rabenstein/Fläming
M’era Luna Festival in Hildesheim
Night of Darkness in Krefeld
Ombre Sonore Festival in Strasbourg
Sol et Luna Festival in Leipzig
Wave-Gotik-Treffen in Leipzig
Woodstage Summer Open Air in Glauchau
Zillo Festival in Hildesheim
Keine dieser Veranstaltungen wurde ausschließlich für die Gothic-Szene konzipiert. Sie werden jedoch häufig von Vertretern der Gothic-Kultur aufgesucht. Speziell das Wave-Gotik-Treffen, das ursprünglich als Treffpunkt für Waver und Goths ins Leben gerufen wurde, deckt mittlerweile durch ein vielseitiges Angebot das Interesse der gesamten Schwarzen Szene ab. Das Zillo Festival lockte zudem zahlreiche Anhänger anderer Independent-Kulturen (beispielsweise Punk) an. Das Publikum zeigte sich in Folge dessen weniger homogen. Darüber hinaus gab und gibt es kleinere, jedoch weitaus repräsentativere Veranstaltungen wie das Sacrosanct Festival und das Whitby Gothic Weekend (beide England), das Under Cover of Darkness Festival, das Batcafe Festival sowie das Gothic Pogo Festival (alle drei Deutschland), Judgement Day (Österreich) oder Drop Dead (USA).
Darstellung der Gothic-Szene in den Medien
Das negative Image, das der Gothic-Szene anhaftet, wurde und wird zu einem Großteil durch die kommerziellen Medien aber auch durch die Szene selbst geprägt. Berichte über Satanismus, Grabschändungen oder schwarze Messen bilden den Inhalt zahlreicher Publikationen und nehmen starken Einfluss auf die Betrachtungsweise der Bevölkerung. Viele dieser Berichte, deren Inhalt über zwei Dekaden hinweg nahezu unverändert übernommen und vervielfältigt wurde, repräsentieren das Bild einer aufmüpfigen Jugendszene, die bezüglich ihrer Geisteshaltung und Lebensart als längst erloschen gilt.
Tatsächlich kam es in den 1980er Jahren in Teilen der Grufti-Szene vereinzelt zu Friedhofsvandalismus, dem die spätere Gothic-Bewegung jedoch ablehnend gegenübersteht. Hierzu zählten unter anderem das Umstoßen von Grabsteinen oder das Entwenden von Grabschmuck wie Kränzen, Grableuchten, Vasen oder Kruzifixen, die als Dekoration für die eigene Wohnstätte dienten. Dahinter standen vermutlich weniger antireligiöse Beweggründe als jugendliche Unbekümmertheit, Imponierverhalten und der Nervenkitzel beim Spiel mit Tabus. Zudem symbolisierten die gesammelten Gegenstände die unmittelbare Nähe zum Tod, die zur damaligen Zeit noch eine zentrale Stellung einnahm. Die Sorglosigkeit vieler jugendlicher Gruftis wirft dabei selbst Jahrzehnte später noch einen Schatten auf die gesamte Gothic-Bewegung. Das kontinuierliche Aufgreifen derartiger Geschehnisse durch die kommerziellen Medien, besonders durch Boulevardpresse- und -sendungen, begründet sich überdies oftmals nicht in der Absicht einer seriösen Berichterstattung, sondern zielt überwiegend auf die Sensationsgier der Bevölkerung ab, die in den alten, häufig übertrieben dargestellten Delikten ihre Vorurteile gegenüber der heutigen Gothic-Kultur bestätigt sieht.
Abseits der kommerziell ausgerichteten Medien finden sich vereinzelt Berichte und Selbstdarstellungen der 1980er Jahre auch in den frühen Ausgaben der Musikzeitschrift Zillo, in denen – neben „Séancen auf den Gräbern der Toten“ – die Zerstörung von Grabsteinen, die Flucht aus der Realität mittels Konsum von Drogen, die zunehmende Aufspaltung in jugendkulturelle Cliquen und die stetig anwachsende Intoleranz innerhalb der Grufti-Szene angesprochen werden.
Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Grufti-Szene als reine Jugendbewegung konstituiert war, von der ein Teil ihrer Anhänger versuchte, mithilfe abenteuerlicher, morbider Geschichten in den Medien Aufmerksamkeit zu erregen und vor allem szene-intern Respekt und Anerkennung zu erlangen.
Geschichte - Vorläufer und vergleichbare Bewegungen
Schwarze Romantik
→ Hauptartikel: Schwarze Romantik
Die Schwarze Romantik war eine literarische Strömung des 19. Jahrhunderts, die von dem italienischen Literaturwissenschaftler Mario Praz in seiner Studie La Carne, la Morte e il Diavolo nelle Letteratura Romantica (dt. Titel: „Liebe, Tod und Teufel. Die schwarze Romantik“) von 1963 ausgiebig untersucht wurde und sich sowohl den Abgründen menschlicher Existenz (Wahnsinn, morbide Neigungen wie Nekrophilie) als auch antichristlichen, nihilistischen und gespenstischen Themenkreisen zuwandte. Bedeutsame Autoren dieser Strömung der Romantik, als deren Wegbereiter Mario Praz Marquis de Sade begreift, waren Ludwig Tieck, E. T. A. Hoffmann, Edgar Allan Poe, Algernon Charles Swinburne und Lord Byron, aber auch Gérard de Nerval, Gustave Flaubert, Charles Baudelaire und Gabriele D'Annunzio.
Essentieller Bestandteil der Schwarzen Romantik waren die sogenannten Gothic Novels. Im englischen Sprachraum erfreuten sich die Gothic Novels, mit ihren schaurigen Handlungsplätzen wie Friedhöfen, Spukschlössern und Ruinen, großer Beliebtheit. Der Erfolg dieser Romane im Rahmen der aufkommenden Dekadenz-Literatur im 18. und 19. Jahrhundert war eine Reaktion auf die rationale, entmystifizierende Sicht des Naturalismus und der Aufklärung.
Seit den Anfängen der Gothic-Bewegung zeigt sich eine thematische Vernetzung zu den Gothic Novels und zur Schwarzen Romantik, die sich in ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen bis heute erhalten hat. So gab es viele Bands aus dem Gothic-Rock- und Dark-Wave-Umfeld, wie Bauhaus, Siouxsie & The Banshees, Ghosting oder The House of Usher, die sich intensiv mit dieser Epoche auseinandersetzten. Auch in der Gothic-Kultur ist ein starkes Interesse an der Schwarzen Romantik vertreten. Hierbei wird allerdings nicht nur das Spektrum themenbezogener Romane und Filme rezipiert, sondern versucht, düstere Charaktere wie Untote oder Femmes Fatales in Szene zu setzen. Damit nehmen Goths den Platz von Rollenspielern ein. Im Rückzug in eine idealisierte Lebensweise findet sich sowohl bei den Romantikern als auch bei Anhängern der Gothic-Kultur eine Tendenz zur Weltflucht.
Punk
→ Hauptartikel: Punk
Die Punk-Bewegung entstand in der Mitte der 1970er Jahre, ihre subkulturellen und musikalischen Ursprünge reichen jedoch bis in die späten 1960er zurück. Die Kultur entwickelte sich als Reaktion zu dem als verlogen empfundenen, friedvollen Idealismus und Optimismus der Hippies wie auch gegen das politische Establishment (auch gegen die Linke) und vertrat eine anti-bürgerliche Lebensweise. Im Vordergrund stand die Provokation der von ihr abgelehnten Gesellschaft, sowohl durch das Aussehen, das vor allem das Hässliche betont (wie zerrissene, häufig mit Parolen und umstrittenen Symbolen versehene oder anderweitig modifizierte Kleidung, auffällige Sonnenbrillen, Piercings), als auch durch das Verhalten. Durch die Zuspitzung des Kalten Krieges, die Wirtschaftsrezession und der damit verbundenen Massenarbeitslosigkeit entpuppten sich fehlende Zukunftsperspektiven, Identifikationprobleme und wachsender Groll der Jugend auf die deutlich konservativen Moralvorstellungen der Obrigkeit und der Kirche. Die pessimistische Haltung der Punks, die eine merkliche Nähe zum Anarchismus und zum Nihilismus zeigten, drückte sich in dem Leitspruch „No Future“ aus. Jedoch gingen nicht alle Angehörigen der Punk-Bewegung in gleicher Art und Weise mit den vorhandenen Problemen um. Schon früh zeigten sich in der Szene verschiedene Charaktere, die sich denen innerhalb der Gothic-Kultur stark ähneln: Neben gesellschaftskritischen und hedonistisch orientierten Punks, deren Hauptintention es war, den Weg in den Untergang zu feiern, entwickelte sich parallel dazu ein introvertierter Ableger, der sich überwiegend in der Attitüde des Depro-Punk widerspiegelt.[63][64]
Die Musik der frühen Punkbands war eine rohe und primitive Form des Rock ’n’ Roll als Gegenpol zum perfektionierten Progressive Rock und der oberflächlichen und kommerziell ausgerichteten Disco-Kultur. Den Grundstein für den Punk legten Bands wie Ramones, The Stooges, New York Dolls, MC5 oder auch Patti Smith, als Keimzelle der Bewegung gilt der Club CBGB in New York City. Als sich der Punk Ende der 1970er Jahre in neue Genres aufspaltete, gingen daraus der Death Rock und der Gothic Rock hervor; Punkbands wie The Stooges und The Damned übten auf die Entwicklung der Gothic-Musik wesentlichen Einfluss aus.
Sowohl äußerliche Merkmale wie der Irokesenschnitt, zerrissene Netzhemden und Strumpfhosen als auch ideologische Aspekte flossen in die nachkommende Gothic-Bewegung ein. Der Übergang vom Punk zum Gothic war jedoch fließend und wurde zunächst gar nicht wahrgenommen. So war auch unter Punks ein dunkler Kleidungs- und Schminkstil verbreitet, der bereits in den 1980ern farbenfroheren Outfits wich.
New Romantic
→ Hauptartikel: New Romantic
New Romantic, eigtl. New Romanticism, war eine jugendkulturelle Szene, die sich Ende der 1970er Jahre innerhalb der New-Wave-Bewegung als Reaktion auf den Punk entwickelte. Die Anhänger dieser Szene, die New Romantics oder auch Blitz Kids (benannt nach dem Nachtclub „The Blitz“ in London, der als Ursprung dieser Jugendkultur gilt), fielen vor allem durch ihr ungewöhnliches Outfit, bestehend aus klassischen Uniformteilen, Hüten (Zweispitz und Dreimaster), Harlekinkostümen und indianischen Schmuckgegenständen, sowie extrem aufgetragenem Make-up und bizarren Haarstilen auf, mit dem sie sich bewusst von dem als schmuddelig empfundenen Punk-Look abzugrenzen versuchten.
Musikalisch bewegten sich die New Romantics zwischen New Wave, Funk und Glam Rock, bevor szene-eigene Bands wie Spandau Ballet, Visage, Classix Nouveaux oder Culture Club ins Rampenlicht traten und die Bewegung auch außerhalb Englands bekannt machten.
Inwieweit New Romantic die Gothic-Kultur in ihrer Entwicklung beeinflusste, ist unklar. Nachdem die New-Romantic-Bewegung kurz vor Mitte der 1980er Jahre abflaute, ging ein Teil dieser Jugendkultur nahtlos in die Schwarze Szene über, wodurch diverse Kleidungs- und Haarstile in die spätere Gothic- und Wave-Szene Einzug hielten (z. B. Rüschenhemden, Abendkleider, Gehstöcke, etc.).
Entwicklung der Gothic-Szene
Ursprung
Die Gothic-Szene entstand ab den frühen 1980er Jahren europaweit als musikkulturelle Jugendszene. Inspiriert durch die Musik von Bands wie Bauhaus, Siouxsie & The Banshees, The Cure, Joy Division, Xmal Deutschland, The Sisters of Mercy oder Christian Death entwickelten sich beispielsweise im deutschsprachigen Raum zunächst kleinere, regionale Gruppierungen (Cliquen), die in der Punk- und New-Wave-Bewegung Westeuropas verwurzelt waren, untereinander jedoch kaum Kontakt hielten. Speziell in den Großstädten standen sich viele der Jugendcliquen infolge von Generationskonflikten feindlich gesinnt gegenüber. Die frühesten Entwicklungsansätze der Gothic-Bewegung in Deutschland lassen sich seit etwa 1982 vor allem in der Hauptstadt Berlin (damals noch West-Berlin) finden, die sich in den 1980er Jahren zum Wallfahrtsort der westdeutschen Gothic-Szene entwickelte und einen intensiven Austausch mit London pflegte. Hier trafen sich die Goths aus der gesamten Bundesrepublik am Bahnhof Zoo oder auf dem Breitscheidplatz; zu den wichtigsten Diskotheken dieser Zeit zählten unter anderem das Trash in Kreuzberg (später „Altes Kaufhaus“ alias „A.K.“), Sektor, Riverboat oder das Linientreu.
Bereits in der Entstehungsphase der Gothic-Szene galt die erste Welle der Gothic-Musik ca. 1984 als erloschen. Bedeutsame Vertreter wie Bauhaus, The Cure, UK Decay, Specimen, The Southern Death Cult oder The Danse Society wandelten ihren musikalischen Stil oder gingen getrennte Wege. Diese Gegebenheit schlug sich bald auf die englische Regionalszene nieder, die schon in der Mitte der 1980er Jahre erste Verfallserscheinungen zeigte. War die Gothic-Bewegung in England folglich eine Mode-Erscheinung unter vielen, die sich hauptsächlich im Londoner Batcave-Club zusammenfand, so konnte sie im restlichen Europa, insbesondere in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, Fuß fassen. In Spanien beschränkte sich die Szene zunächst auf die Zentren Madrid und Barcelona, Norditaliens Szene war – ebenso wie die britische – nur eine kurzlebige Bewegung, die in der Mitte der 1980er abflaute und erst in den 1990ern einen Aufschwung erfuhr.
Die Frisuren und Kleidungsstile der Goths waren zu dieser Zeit stark an das Erscheinungsbild der Punk- und New-Wave-Bewegung angelehnt oder wurden von den musikalischen Leitfiguren übernommen. Populäre Künstler wie Robert Smith (The Cure), Rozz Williams (Christian Death), Siouxsie Sioux (Siouxsie & The Banshees), Peter Murphy (Bauhaus) oder Johnny Slut (Specimen) sind bis heute Idole der Gothic-Kultur und dienten hierbei als Vorbild. Als weiterer Einflussfaktor gelten die regionalen Unterschiede bezüglich der Umwelt- und Lebensbedingungen und einem damit verbundenen Lebensgefühl. In Gebieten, die durch Industrie geprägt waren, herrschte vielmehr ein punk-lastiger Kleidungsstil vor. In Regionen, in denen ein historischer Architekturstil dominierte, fühlte sich dagegen ein Teil der Gothic-Szene von Epochen vergangener Tage inspiriert. So entwickelten sich beispielsweise im süddeutschen Raum schnell Kleidungsstile, die sich an der Zeit der Renaissance oder des Barock orientierten. Diese Stile werden häufig auch als Einfluss der New-Romantic-Bewegung gedeutet, eine New-Wave-Teilkultur, die einige Jahre vor Entfaltung der Gothic-Szene in London ihren Ausgangspunkt nahm und sich fallweise mit dieser überschnitt.
Daneben ließen sich unzählige Goths von Filmfiguren aus Horror- und B-Movie-Klassikern wie Nosferatu, Die schwarze Katze, Der Rabe und The Hunger oder Filmkomödien wie The Munsters und The Comedy of Terrors inspirieren. Obwohl sie sich derselben Kultur zugehörig fühlten, unterschieden sich Goths, die sich an Horrorfilm- und Romanfiguren oder an Teilen der New-Romantic-Bewegung orientierten, schon früh von solchen, die eher dem Punk zugeneigt waren, sowohl was ihr Erscheinungsbild als auch ihre Lebensansichten anbelangte.
Aufgrund des Mangels an musikalischen Idolen begann jedoch ab etwa 1987 auch die Szene in Deutschland allmählich zu zerfallen. Diesem Verfall wirkten Gruppen wie The Sisters of Mercy, The Cure oder Fields of the Nephilim entgegen. Neben Robert Smith, der sich nach einem Ausflug in kommerzielle Popgefilde zurück auf seine Dark-Wave-Wurzeln besann, waren insbesondere Andrew Eldritch (The Sisters of Mercy) und Carl McCoy (Fields of the Nephilim) führende Musiker dieser Ära. Letztere beeinflussten die Mode einer neuen Splitterkultur nachhaltig, obgleich der für die frühe Gothic-Kultur charakteristische punk- und wave-inspirierte Look weiterhin dominierte.
Weiterentwicklung
Wave-Gotik-Treffen 2005: Die Szenefotografin Viona Ielegems im „schwarzromantischen Stil“.
In den frühen 1990er Jahren erlebte die deutsche Independent-Szene einen Aufschwung, durch die Wende und das Zusammenwachsen von Ost- und Westdeutschland wuchs das Interesse an Musik. Es erfolgte ein Austausch zwischen zwei Kulturen und verschiedene Plattenfirmen und Newcomer-Bands, wie The Garden of Delight, Love Like Blood, The Tors of Dartmoor oder Swans of Avon, etablierten sich innerhalb der heranwachsenden Wave- und Gothic-Bewegung.
Erste Treffen wurden arrangiert, so zum Beispiel das Waver-Treffen am 16. Juni 1990 in Köln, das Wave-Gotik-Treffen am 29. und 30. Mai 1992 in Leipzig oder auch das Gothic-Treffen am 6. August 1992 in Berlin. Zahlreiche Musikmagazine, wie das Glasnost Wave-Magazin, Zillo, Sub Line, Gothic Press oder The Gothic Grimoire, etablierten sich auf dem deutschen Markt. Speziell das Zillo avancierte zum Sprachrohr der gesamten Independent-Kultur. Hier erfolgte die regionenübergreifende Kommunikation über einen Kleinanzeigenmarkt. Auf der Basis dieser Austauschmöglichkeiten wuchs mit der Zeit eine Großkultur heran, bei der man erstmals von einer landesweit ausgeprägten Gothic-Szene sprechen konnte.
In dieser Zeit stieg die Nachfrage nach weiteren Musikrichtungen aus dem Dark-Wave-Umfeld, wie beispielsweise Neoklassik, Ethereal Wave und der Neuen Deutschen Todeskunst – aber auch mittelalterlich inspirierter Musik. Künstler und Ensembles wie Dead Can Dance, Qntal, Sopor Aeternus, Lycia oder Estampie genossen einen hohen Stellenwert. Mit Herausbildung der Neuen Deutschen Todeskunst gewann zunehmend die deutsche Sprache in den Clubs an Popularität. Hier waren es Künstler wie Goethes Erben, Lacrimosa oder Relatives Menschsein, die Teile der Gothic-Bewegung hinsichtlich des Kleidungs- und Lebensstils erneut bestärkten.
In Zusammenhang mit der Neuen Deutschen Todeskunst trat erstmals die Splitterkultur der Endzeitromantiker in Erscheinung. Diese formierte sich unter anderem mit der Intention, die noch punk-beeinflusste Grufti-Kultur der 1980er Jahre abzulösen und repräsentierte damit die aus der New-Romantic-Szene vertraute ablehnende Haltung gegenüber der Punk-Bewegung und deren Einfluss auf die Popkultur.
In der Mitte der 1990er erfuhr die Gothic-Szene einen deutlichen Einschnitt. Mit dem Verschwinden des Gothic Rock aus den Clubs und dem simultan verlaufenden Ausklingen der Dark-Wave-Ära verlor die Bewegung ihre Hauptinspirationsquelle – die Musik. Zahlreiche Bands und Magazine stellten ihre Aktivitäten ein oder wandten sich stilistisch sowie inhaltlich anderen Bereichen zu. Erst die Jahrtausendwende brachte mit Gruppen wie Cinema Strange, Bloody Dead And Sexy, Zadera, Black Ice oder Batzz in the Belfry einige Neuerungen und führte hierdurch auch ein jüngeres Publikum an die traditionelle Gothic-Musik heran.
Versuch der Kommerzialisierung
Ab dem Ende der 1990er Jahre setzte der Versuch der Kommerzialisierung ein, der in seiner Ausprägung jedoch nicht die Gothic-Kultur und deren Musik selbst erfasste. Einzig die Bezeichnung „Gothic“ wurde dabei – ohne jegliche Berücksichtigung ihrer ursprünglichen Bedeutung – als Vermarktungsetikett aufgegriffen und auf vergleichbare und vollkommen unabhängige kulturelle Strömungen und Musikformen ausgedehnt.
Diese Entwicklung begann insbesondere mit dem Hype um gothic-untypische Musikgruppen wie HIM, Nightwish, Cradle of Filth, Rammstein, Oomph!, Marilyn Manson, Evanescence, Subway to Sally oder Samsas Traum, die von den Medien häufig mit der Gothic-Kultur in Verbindung gebracht werden, und gipfelte in dem Versuch der Musikindustrie, Retorten-Bands wie Nu Pagadi als Gothic-Acts zu vermarkten. Viele dieser Bands stammen direkt aus dem Metal-, Alternative-Rock- und Crossover-Umfeld und sind als Teil der Alternative-Bewegung in den Deutschen Alternative-Charts (kurz DAC) zu finden. Mit der Gothic-Szene und deren Musik haben sie allerdings nichts zu tun.
Obgleich die auf der Grundlage dieser Kommerzialisierungsform neu entstandenen Jugend- und Fan-Kulturen zumeist von Außenstehenden der Gothic-Szene zugerechnet werden, handelt es sich dabei jedoch um Parallelbewegungen, denen der Bezug zur Gothic-Bewegung fehlt.
Schwarze Szene
Als Schwarze Szene bezeichnet man seit den frühen 1990ern ein soziokulturelles Milieu, das sich aus Teilen verschiedener Subkulturen zusammensetzt. Hierbei ist die „Szene“ nicht als geschlossene Gruppe zu verstehen, die sich an straffen Richtlinien orientiert, sondern als Umfeld, in dem sich Menschen ähnlicher Interessen und Vorlieben bewegen. Zu diesen Interessen zählen Musik, Kunst und Mode sowie die Auseinandersetzung mit philosophischen oder von der Durchschnittsgesellschaft als negativ wahrgenommenen Themen- und Tabubereichen.
Kontakt und Austausch erfolgen zumeist über Konzert- und Diskothekenveranstaltungen, seit einigen Jahren auch vermehrt über Internetforen oder Chats, wodurch es zu kulturellen Überlagerungen kommen kann, obgleich die Eigenständigkeit der jeweiligen Subkultur erhalten bleibt.
Hintergrund - Struktur
Die Schwarze Szene
Die klassische Schwarze Szene wurde zunächst aus der Dark-Wave-Bewegung gebildet, deren Mitglieder in Jugendkulturen wie Punk, New Wave, Gothic, New Romantic oder im Post-Industrial-Umfeld verankert waren. Die Anhänger dieser frühen Schwarzen Szene nannte man, aufgrund ihrer Kleiderfarbe und Lebensansichten, „Schwarze“ oder aber, bezüglich ihrer präferierten Musikformen, „Waver“. Mit dem fortschreitenden Zerfall der Wave-Kultur verschwand die Bezeichnung „Waver“ jedoch aus dem deutschen Sprachgebrauch.
Mittlerweile erfasst der Begriff „Schwarze Szene“ auch kleinere Strömungen wie die heutige Future-Pop- und Elektro-Szene sowie Randbereiche der Wicca- und Mittelalter-Kultur. Darüber hinaus finden sich seit einiger Zeit vermehrt Überlagerungen mit Teilen der Metal-Bewegung oder der BDSM- und Fetisch-Szene, wobei der BDSM-Look in den meisten Fällen nur als modisches Element übernommen wird.
In Folge dieser Überlagerungen lassen sich etliche Teile der Schwarzen Szene keiner bestimmten Subkultur mehr zuordnen:
„Die Schwarze Szene präsentiert sich heute als eine [...] alternative Bewegung junger (und nicht mehr ganz so junger) Menschen, deren Erscheinungsbild von einer bemerkenswerten Vielfalt ist. Symptomatisch für diese Vielfalt ist auch die Schwierigkeit, einen geeigneten Oberbegriff für diese Szene zu finden. (Arvid Dittmann, Mitarbeiter im Archiv der Jugendkulturen)“
Mischkulturen
Ab der Mitte der 1990er Jahre wuchs die Schwarze Szene merklich heran, sodass sich vereinzelt neue, zum Teil rivalisierende Jugendkulturen entwickelten. Eine dieser Kulturen ist die „Gothic-Metal-Szene“, die aus der Fusion der Genres Gothic und Metal zu Gothic Metal hervor ging. Die Mitglieder der auf dieser Basis entstandenen Mischkultur verwenden keine Eigenbezeichnung. Sie werden − je nach individueller Ansicht − entweder der Metal-Bewegung oder der Gothic-Kultur zugerechnet.
Wechselbeziehungen
Innerhalb der Post-Industrial-Szene existieren gegenwärtig unterschiedliche kulturelle Strömungen. Während ein Teil der Szene den Austausch mit der Neofolk-Kultur grundsätzlich befürwortet, lehnt ein anderer Teil den Kontakt mit dieser – aufgrund ihrer politischen Umstrittenheit – strikt ab. Unabhängig davon sind jedoch beide Subkulturen auf musikhistorischer Ebene untrennbar miteinander verwoben.
Politische Tendenzen
Die Schwarze Szene vertritt überwiegend eine politisch passive Haltung. Der Anteil an politisch motivierten Personen ist daher gering. Da die Szene jedoch keine homogene Struktur besitzt und sich aus unterschiedlichen Jugendkulturen und Individualisten rekrutiert, sind demzufolge divergente politische – neben linken und liberalen – auch rechte Tendenzen vorzufinden. Dadurch wird sie attraktiv für Teile der Neuen Rechten und zum Angriffsziel linksextremer Kreise. Die Hauptverantwortung an dieser Gegebenheit wird zumeist auf die Gothic-Bewegung übertragen, obwohl gerade jene weitgehend als unpolitisch einzustufen ist. So wurden Angehörige der Gothic-Kultur bereits mehrfach Opfer von Aktionen einzelner Antifa-Gruppen, insbesondere bei den jüngsten Ausschreitungen auf dem 16. Wave-Gotik-Treffen 2007, bei denen es auf Seiten der Goths mehrere Verletzte gab. Dies führte szene-intern und in der Internetpräsenz der Indymedia, in einem dort eingestellten Artikel wird das WGT als „Internationales Nazi-Treffen“ bezeichnet, zu heftigen Diskussionen und zu harscher Kritik an der gewaltsamen Vorgehensweise der Antifa.
Die tatsächlichen Berührungspunkte zwischen der Schwarzen Szene und der Neuen Rechten ergeben sich vor allem über die äußeren Ränder der Neofolk- und Martial-Industrial-Szene, deren Angehörige eine eigenständige Subkultur bilden und keinen direkten Kontakt zur Gothic-Kultur pflegen. Viele Goths, aber auch Anhänger anderer Kulturen wie der Elektro-Szene, stehen der Neofolk-Bewegung meistens kritisch gegenüber.
Anmerkungen zum Begriff
Etablierung
Der Ursprung der Bezeichnung „Schwarze Szene“ ist umstritten. 1990 taucht diese beispielsweise in einem Bericht über eines der beiden Konzerte von The Cure in der DDR auf. Dieser Bericht wurde in der Herbstausgabe des Freiburger Wave-Magazins Glasnost veröffentlicht. Zwei Jahre später tritt die Bezeichnung unter anderem im Bonner Gothic Press-Magazin in Erscheinung. Dieses Mal im Vorwort zu einem Interview mit Death in June, an dem der Zillo-Journalist Rüdiger Freund intensiv mitarbeitete.
Nachdem in den 1990er Jahren vielerorts die ablehnende Haltung der Subkulturen untereinander schrittweise einer Öffnung wich, avancierte die Bezeichnung in zahlreichen Musikmagazinen wie Glasnost, Gothic Press oder später auch im Zillo zu einem viel genutzten Begriff, um eine bestimmte Zielgruppe von Lesern anzusprechen. Die Independent-Zeitschrift Zillo galt selbst lange Zeit als eines der wichtigsten Medien der Schwarzen Szene und konnte ihn dabei vermutlich etablieren. Unklar ist jedoch, ob das Motto „von der Szene für die Szene“, das seit 1997 für die darauf folgenden drei Jahre die Titelseite des Zillo-Magazins schmückte, tatsächlich der Schwarzen Szene galt, oder ob damit die Independent-Kultur in ihrer Gesamtheit gemeint war.
Die Szene ohne Namen (so tituliert von Ecki Stieg) findet sich in vergleichbarer Form auch außerhalb der deutsch-sprachigen Länder wieder. In Spanien heißt sie cultura oscura, in den portugiesisch-sprachigen Gebieten Amerikas cultura dark. Im englischen Sprachraum scheint sich − neben den sporadisch genutzten Bezeichnungen dark scene und dark culture – noch keine entsprechende Bezeichnung etabliert zu haben.
Kontroverse
In den letzten Jahren wurde die Bezeichnung „Schwarze Szene“ vor allem von Außenstehenden mehrfach bedeutungsgleich zu „Gothic-Kultur“ verwendet. Diese Subkultur stellt jedoch nur einen Bruchteil des gesamten Spektrums der Schwarzen Szene dar. Vor diesem Hintergrund ist die Nutzung als Synonym umstritten und wird innerhalb der Schwarzen Szene kontrovers diskutiert.
Literatur
Printmedien der Vergangenheit:
Glasnost Wave-Magazin
Gothic Press
Sub Line
The Gothic Grimoire
Das Glasnost Wave-Magazin war eine Musik- und Kultur-Zeitschrift der frühen Schwarzen Szene. Es existierte von 1987 bis 1996 und zählte somit zu den ältesten seiner Art – noch vor Herausgabe von Zeitschriften wie Zillo, Subline und Gothic Press. Abgedeckt wurden Sparten wie Gothic Rock, Industrial, Neofolk, Dark Ambient, Ethereal, EBM und Cold Wave. Anfangs in Freiburg beheimatet, verlegte die Redaktionsleitung in den 1990ern ihren Sitz nach Hamburg. An das Magazin gebunden war die gleichnamige Plattenfirma Glasnost Records.
der Gegenwart:
Astan Magazin
Gothic Magazine
Orkus
Transmission Magazin
Black Magazin
Graeffnis
Sonic Seducer
Zillo Musikmagazin
Zu den namhaften Zeitschriften der Schwarzen Szene im deutschen Sprachraum zählen gegenwärtig Orkus, Sonic Seducer, Zillo, Gothic und Astan. Neben diesen Printmedien existiert noch eine Vielzahl weiterer Zeitschriften, wie Black, Transmission oder Graeffnis, die inhaltlich praktisch unabhängig vom Mainstream agieren.
Bekannte Veranstaltungen:
Amphi Festival
Castle Party
Dark-Dance-Treffen
M'era Luna Festival
Secret Garden Festival
Summer Darkness Festival
Wacken Open Air
Wave-Gotik-Treffen
Whitby Gothic Weekend
Woodstage Summer Open Air
Zillo Festival
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